Rita Trattnigg über TAU

Ob „Tanz der Polaritäten“, „Wirtschaften in der Zwischen-Zeit“, „Kollektive Traumata – Kollektives Heilen“ oder „Strukturen der Freiheit“ – jedes der bisherigen tau-Titelthemen spiegelt für mich eine große Sensibilität wider, das zu erspüren, was gerade reif ist, was gerade möglich ist, aus dem Unbewussten ins Bewusste gehoben zu werden. Die große Aufmerksamkeit, die bei tau der Themenfindung gewidmet wird, dem Einschwingen auf das, was wesentlich ist, finde ich besonders bemerkenswert. Ja, durch dieses „Sensing“ wird der Boden für etwas bereitet, was anschließend in den tau-Heften erblühen kann. So kann sich ein Feld für eine andere, neue (Lebens-)Kultur selbstbewusst zeigen.

Die tau-ProtagonistInnen haben sich ein Format kreiert, um das auszudrücken, was in ihnen und um sie herum vorgeht und sie geben vielen anderen eine Stimme. Das „Sharing“ tut gut, ermutigt mich, etwas anders zu tun. Durch den partizipativen Ansatz der Heft-Gestaltung entsteht ein großes Beziehungsnetz, das sich bestärkt und wechselseitig inspiriert. Was mich besonders anspricht ist die Verbindung von inneren Wandel-Prozessen und äußeren Zuständen und die Suche nach Möglichkeiten der Selbstermächtigung. „Was ist mein Beitrag?“ – diese Frage tönt immer wieder durch die Texte durch…

Der kulturelle Wandel braucht das Erkunden des eigenen Politisch Seins und das gemeinsame (Er-)Forschen und Ausprobieren. Jedes frische tau-Heft ist für mich eine Möglichkeit Inne zu halten, mir eine Zeit und einen Raum zu suchen, um das Heft zu genießen. Die Intensität, die es erfordert, um tau zu schöpfen – und über die ich immer wieder staune – bringt die Qualität hervor, die dieses Heft für mich von anderen unterscheidet: Es geht darum echt zu sein. Schön, dass es Euch und durch Euch tau gibt! Ich bin mit Artikeln und anderen Beiträgen sehr gerne ein Teil davon.

 

Rita Trattnigg, Politikwissenschafterin und Philosophin, arbeitet und forscht zur Frage, wie der Wandel in Richtung Zukunftsfähigkeit in Politik und Zivilgesellschaft ermöglicht werden kann. Dazu initiiert sie innovative Projekte und begleitet soziale Prozesse. Autorin des Buches „Zukunftsfähigkeit ist eine Frage der Kultur“ (oekom 2013). www.kultureller-wandel.at